Tempolimit: „Chill mal deine Base“

Die Autobahn gilt vielen als Symbol für Freiheit und Fortschritt. Zugleich erinnert sie immer mehr an das Tempo, mit dem wir durch unser eigenes Leben rasen. Ein verordnetes Tempolimit auf ihr wäre für manche fast ein Supergau – das vermeintliche Ende persönlicher Freiheiten. Doch warum erteilen wir uns nicht selbst ein Tempolimit, auf und fernab der Autobahn?

Entschleunigen und zeitliche Spielräume schaffen

Heute muss alles schnell gehen, wir müssen nur fix „etwas erledigen“, springen von einem Termin zum nächsten. Wir müssen im Außen immer etwas tun, irgendetwas erledigen, im Alltag funktionieren – wir sind Getriebene. Weil wir alle schnell unterwegs sind, ist es auch die Welt um uns herum. Fänden wir hingingen zu mehr innerer Ruhe und Gelassenheit, gäbe es weniger Stress, weniger Konflikte, weniger alltägliche Hetze. Ein langsameres Tempo würde nicht nur uns selbst guttun, sondern auch unserem Umfeld.

Geschwindigkeit, Erwartungen und der Verlust von Ruhe

Der Zeitdruck im Arbeitsleben zeigt es besonders deutlich: Vieles ließe sich entschärfen, würden wir größere Zeitfenster setzen, realistischer planen oder öfter sagen: „Das hat Zeit.“ Doch stattdessen beschleunigen wir das System unbewusst, indem wir jede Lücke füllen und Effizienz über Gelassenheit stellen.
Warum muss eine bestellte Ware grundsätzlich schon am nächsten oder möglichst noch am selben Tag eintreffen? Warum muss ein Auftrag besser morgen als übermorgen begonnen oder erledigt sein?
Wenn wir selbst immer schneller arbeiten, erwarten wir unbewusst auch von anderen mehr Geschwindigkeit. So entsteht ein Kreislauf der Beschleunigung: Wir treiben uns gegenseitig an, ohne es zu merken. Und während wir versuchen, Schritt zu halten, schwindet das, was wir eigentlich brauchen: Zeit für uns selbst, Zeit für Ruhe, Zeit für Klarheit.

Runter vom Gas – nicht nur auf der Straße

Das Leben gleicht in vielem einer Autobahn: alles rast dahin. Je schneller alle fahren, desto größer werden die Risiken. Auf der Straße führt das zu Unfällen, Staus, Ärger und Stress – und im Alltag wirkt es ganz ähnlich. Wer ständig überholt, permanent schneller sein will, verbrennt Energie, Nerven und letztlich Lebenszeit.
Ein (inneres) Tempolimit wäre daher nicht nur vernünftig, sondern wohltuend. Geringere Geschwindigkeit hieße:

  • weniger Reibung, weniger Konflikte
  • weniger Energieverbrauch – innerlich wie äußerlich
  • mehr Gelassenheit im Umgang mit uns selbst und anderen
  • mehr Sicherheit, im Straßenverkehr wie im Leben
Innehalten – der Wert der inneren Geschwindigkeit

Das allgemein hohe Tempo, mit dem wir uns durchs Leben bewegen, lässt kaum Raum zum Innehalten. Wir leben überwiegend im Außen, auf der Überholspur unseres eigenen Lebens. Wenn überhaupt, dann haben wir nur ganz selten die Zeit, die Kraft und die Möglichkeiten, uns um unser Inneres zu kümmern, um Innenschau zu halten – doch genau dort entsteht Ausgeglichenheit.
Erst wenn wir anhalten, entsteht Raum, in dem wir uns selbst wieder wahrnehmen: unsere wahren Bedürfnisse, unsere Grenzen, unseren eigenen Takt. Innere Ruhe ist kein Zustand, der sich im „Vorbeifahren“ finden lässt, sie entsteht durch bewusstes Verlangsamen, durch Innehalten. Ein einzelner Moment des Stillstandes kann mehr Orientierung geben als jeder beschleunigte Versuch, möglichst viel in möglichst kurzer Zeit zu schaffen.
Wir brauchen daher viel mehr Innehalten, innere Ausgeglichenheit, ein „inneres Tempolimit“, das sich auch im Außen bemerkbar macht. „Chill mal deine Base“, diesen flapsig-jugendsprachlichen Satz sollten wir öfter beherzigen. Denn: Nur im Innen können wir uns besinnen! Wir sollten öfter mal „runterfahren“, entspannen, in uns reinhören, unsere „Basis“ wieder auf Vordermann bringen.

Von Sven Henkler ist weiterführend zum Artikel dieses Buch erschienen:

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... (Jg. 1975) ist seit über 20 Jahren Verleger von Büchern rund um Bewusstsein, Lebensführung, Philosophie und Spiritualität. Seine Leidenschaft gilt Buchprojekten, die zum Nachdenken anregen, Perspektiven erweitern und die Essenz des Lebens erfahrbar machen. In den letzten Jahren ist das Schreiben wieder zu seinem eigenen Ausdruck geworden. Seine Texte handeln von Selbstbestimmung, Naturverbundenheit und der Wirkkraft der Mythologien. Dabei geht es ihm nicht um fertige Antworten, sondern um das Öffnen von Räumen – für Entwicklung, für Tiefe, für ein bewussteres Leben.

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