Jahresendspurt: Wenn wir der Ruhe hinterherrennen

Advent, Advent – ein jeder rennt! Bevor sich alle besinnen und der Stille hingeben wollen, bestimmen Hektik, Stress, Einkaufswahn und Geschenk(ideen)suche unseren Alltag. Überall ist vom „Jahresendspurt“ die Rede, als wäre es naturgegeben, dass wir dem Ende eines Jahres noch einmal mit hoher Geschwindigkeit entgegenlaufen müssen.

Advent im Eiltempo

Advent bedeutet bekanntermaßen Ankunft. Heute scheint er jedoch für abschließen, abhaken, erledigen zu stehen. Bevor wir das Ziel erreichen – das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel –, bevor wir unsere Ankunft am Ende eines Jahres feiern, wollen wir alles noch „fertig machen“. Listen müssen abgearbeitet, Projekte abgeschlossen, offene Punkte beseitigt werden.
Der Jahresendspurt wird zur Pflichtübung. Und er zeigt etwas Grundsätzliches: Wir rennen nicht erst im Dezember, wir sind das gesamte Jahr in (großer) Eile. Der Endspurt ist lediglich der Höhepunkt eines Dauerlaufs, den wir längst verinnerlicht haben.

Selbstgemachte Jahresabschlusshetze

Bevor Ruhe und Besinnlichkeit einkehren, gibt es ja noch so viel zu tun – und wir hetzen, um dies alles pünktlich zu schaffen. Sicher, manches lässt sich tatsächlich erst zum Jahresende erledigen. Doch aus Notwendigkeit wird schnell Gewohnheit – und aus Gewohnheit stillschweigender Zwang. Wir treiben uns selbst in eine Jahresabschlusshetze, die von vielen mitgemacht und als selbstverständlich hingenommen wird. Der Endspurt ist jedoch kein „Naturgesetz“, er ist eine Entscheidung, oft unbewusst – aber wirksam.

Neustart mit angezogener Handbremse

Und dann beginnt ein neues Jahr, ein neuer Anlauf. Wir kommen zwar etwas langsam aus den Startlöchern, weil uns die Tage der Ruhe noch im Gemüt liegen, aber dies hält nicht lange an. Schon bald beschleunigen wir wieder, nehmen Tempo auf, Termine werden zahlreicher, Erwartungen steigen – bis wir erneut dem nächsten Jahresendspurt entgegenrennen. Es ist ein Kreislauf, der sich Jahr für Jahr wiederholt.

Unser Tempo, unsere Verantwortung

Zum Glück beginnt der Jahreslauf immer wieder neu, doch wie wir ihn gestalten, liegt an uns. Wir entscheiden, wie wir unsere Kraft über das Jahr verteilen, ob wir sie gleichmäßig einsetzen, bei unserem eigenen Tempo bleiben oder alles erneut auf ein finales Rennen zuspitzen. Ruhe und Besonnenheit schaden nie, sie sind keine „Belohnung“ am Jahresende. Sie sind eine Haltung – eine, die uns durch das ganze Jahr tragen kann.

Von Sven Henkler ist weiterführend zum Artikel dieses Buch erschienen:

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... (Jg. 1975) ist seit über 20 Jahren Verleger von Büchern rund um Bewusstsein, Lebensführung, Philosophie und Spiritualität. Seine Leidenschaft gilt Buchprojekten, die zum Nachdenken anregen, Perspektiven erweitern und die Essenz des Lebens erfahrbar machen. In den letzten Jahren ist das Schreiben wieder zu seinem eigenen Ausdruck geworden. Seine Texte handeln von Selbstbestimmung, Naturverbundenheit und der Wirkkraft der Mythologien. Dabei geht es ihm nicht um fertige Antworten, sondern um das Öffnen von Räumen – für Entwicklung, für Tiefe, für ein bewussteres Leben.

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