„Geld allein macht nicht glücklich, aber es beruhigt die Nerven.“ Diese wohlbekannte Aussage ist nicht von der Hand zu weisen in einer Gesellschaft, in der fast alles auf das Geldverdienen und Geldausgeben ausgerichtet ist. Doch wenn wir nicht nur unsere Nerven beruhigen, sondern echtes Glück (wohl wissend, dass Glück für jeden etwas anderes bedeutet) finden wollen, lohnt sich ein genauerer Blick auf zwei zentrale Faktoren unseres Lebens: Zeit und Geld.
Zeit ist Geld – oder doch nicht?
Zur leidigen Wahrheit „Geld regiert die Welt“ passt die Aussage „Zeit ist Geld“. Mit Geld kann vieles gekauft werden: Essen, Kleidung, Sinnvolles und Sinnloses, Einfluss und Macht. Zeit dagegen lässt sich nicht kaufen, auch wenn sie in unserer Arbeitswelt einen Geldwert besitzt. Zeit-oder-Geld-Entscheidungen müssen wir oft treffen – doch meist sind sie von Zwängen oder Erwartungen geprägt, nicht von echter Freiheit.
Die längste Phase unseres Lebens besteht aus Arbeit und Freizeit. Dieses System ist so tief in uns verankert, dass wir es selten hinterfragen. Doch irgendwann kommt der Moment, in dem wir vor der Entscheidung stehen: Was ist mir wichtiger – Geld oder Zeit, freie Zeit, Zeit für mich selbst, für mein Glück?

Geldkonto vs. Lebenszeitkonto
Stellen wir dem Geldkonto einmal das Lebenszeitkonto gegenüber: Während beim Geldkonto das Guthaben wachsen kann, schrumpft das Lebenszeitkonto unaufhaltsam. Geld lässt sich anlegen oder leihen – Lebenszeit nicht, sie verrinnt, genutzt oder ungenutzt. Dem Geld können wir hinterherjagen, es verdienen oder geschenkt bekommen. (Lebens-)Zeit aber verstreicht unwiderruflich. Wir können nur auf sie zurückblicken – mit Freude, Bedauern oder Dankbarkeit.
Ohne Moos ist bekanntlich nichts los; ohne Knete gibt’s keine Fete – ein gut gefülltes und möglichst ständig wachsendes Konto gibt Sicherheit. Doch der Blick auf den sinkenden „Lebenszeitkontostand“ würde vielen Menschen zeigen, dass Zeit der wertvollere Besitz ist. Lebenszeit kann genauso vergeudet werden wie Geld – nur ist sie nicht zurückholbar.
Zeit- und Geldmangel – eine Frage der Priorität
„Ich habe keine Zeit“ – dieser Satz fällt täglich zigfach. Wir leben in einer Welt, die unter chronischem Zeitmangel leidet. Dabei ist Zeit einfach da, kostenlos und gerecht verteilt, wir müssen nur lernen, sie richtig zu nutzen. Zu viel Zeit vergeht, ohne dass sie dem persönlichen Wohlergehen oder Wachstum dient.
Oft entsteht Zeitmangel, weil wir unser Geldkonto füllen wollen – und systembeding auch müssen – oder gesellschaftliche Ansprüche erfüllen möchten. Doch wer seine Gewohnheiten hinterfragt, kann dem Gefühl von Mangel entkommen. Wo kein Mangel herrscht, entsteht Fülle – diesem Fall erfüllte, glückliche Lebenszeit.
Mehr (Lebens-)Zeit, weniger Geld – der Weg zu mehr Zufriedenheit
Ein bewusster Umgang mit Geld bedeutet nicht Verzicht, sondern Gewinn: mehr Zeit, mehr Freiheit, mehr Leben. Wer weniger konsumiert, spart nicht nur Geld, sondern auch Zeit – etwa bei der Jagd nach Schnäppchen oder Trends. Statt Luxusurlaub auf dem Kreuzfahrtschiff: einfach mal die Nähe erkunden, zu Fuß, mit dem Fahrrad, bewusst und langsam. Unnötige Autofahrten vermeiden, die Umgebung neu entdecken – das spart Geld und schenkt Erlebnisse.
Auch eine andere Arbeitsaufteilung oder kürzere Arbeitstage können neue Freiräume schaffen und die Lebensqualität steigern. Zwar verringern sich dadurch meist die Einnahmen, doch das Lebenszeitkonto füllt sich mit etwas Wertvollerem: Zeit für sich selbst. Und wer die Freizeit von unnötigen Verpflichtungen befreit, gewinnt ebenfalls.
Denn: Lebenszeit bewusst zu leben, anstatt sich leben zu lassen, ist unbezahlbar.


